Yalda

Regie: Massoud Bakhshi – Drama, 89 min, Farbe, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Luxemburg, Iran, 2019

»Nehmen Sie per Textnachricht an unserem Gewinnspiel teil. Hat Maryam Komijani es verdient, dass man ihr vergibt und sie begnadigt wird? Senden Sie 1 für Ja, 2 für Nein.«

Die Kameras und Scheinwerfer sind alle auf Position. Ein letzter Blick des Moderators auf seine Notizen. Die letzten Sekunden des Intros ziehen vorbei – 5, 4, 3, 2, 1 – dann wird die Fernseh-Show live geschaltet – ausgerechnet am Yalda-Feiertag, der persischen Wintersonnenwende. An diesem Abend ist Maryam zu Gast, eine zum Tode verurteilte junge Frau. Ihr gegenüber im Studio sitzt Mona, die immer wie eine große Schwester für sie war. Maryam hat mit Monas Vater in einer Zeitehe gelebt. Jetzt ist sie des Mordes an ihm angeklagt. Vor laufender Kamera und Millionen von Zuschauern, muss Maryam um Vergebung und um ihr Leben kämpfen.

In Anspielung auf eine beliebte iranische Fernsehshow inszeniert der iranische Filmemacher Massoud Bakhshi (A RESPECTABLE FAMILY) das TV-Studio als Bühne für ein dramatisches Kammerspiel, das hinter dem persönlichen Schicksal seiner Hauptfiguren auch die gesellschaftliche Dimension der Geschichte offenlegt.

Pressestimmen

süddeutsche.de

»Freude der Vergebung« ist ein so bizarres Reality-TV-Format, dass man es für schlecht erfunden halten könnte, hätte sich der Regisseur und Drehbuchautor Massoud Bakhshi nicht an einer tatsächlich existierenden iranischen Fernsehshow orientiert. Sein Film beginnt mit Aufnahmen des nächtlichen Teherans, der Fernsehturm leuchtet, alles glitzert wie ein modernes 1001-Nacht-Märchen. In der Yalda-Nacht, in der die Show gesendet wird, werden traditionell rote Früchte serviert; es ist die längste Nacht des Jahres, in der man mit Freunden und der Familie feiert. YALDA zeigt die archaische Ausbeutung hinter dieser Fassade.

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36. Sundance Film Festival 2020: World Cinema Grand Jury Prize: Dramatic

70. Internationale Filmfestspiele Berlin 2020 (Generation 14+)

55. Internationales Film Festival Karlovy Vary 2020

24. Sofia International Film Festival: Special Mention for Best Screenplay

Über den Film

Die Todesstrafe im Iran

Genaue Statistiken über die Todesstrafe im Iran liegen nicht vor, da die iranischen
Behörden nicht alle durchgeführten Hinrichtungen bekannt geben. In den letzten fünf Jahren wurden durchschnittlich 40% aller Hinrichtungen von den offiziellen iranischen Medien angekündigt. Im Jahr 2019 wurden mindestens 280 Menschen hingerichtet. 80% aller  Hinrichtungen erfolgten aufgrund von Mordanklagen. Mindestens 15 Frauen wurden hingerichtet.

Mindestens 374 Gefangene, die aufgrund von Mordanklagen zum Tode verurteilt wurden, erhielten von den Familien der Mordopfer Vergebung – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

Die Anzahl der Verbrechen, für die im Iran die Todesstrafe bekommen kann, gehört zu den höchsten der Welt. Einige der Straftaten, die mit dem Tod bestraft werden, sind: Mord, Inzest und Unzucht, Ehebruch, gleichgeschlechtliche Beziehungen, bewaffneter Raubüberfall, Rebellion, religiöse Straftaten (z.B. Verfluchung des Propheten des Islam).

Mah-e Asal – Die Inspiration für die TV-Show im Film

„Mah-e Asal“ (übersetzt aus dem Iranischen in „Flitterwochen“) mit Moderator Ehsan Alikhani war eine tägliche iranische Talkshow, die von 2007 bis 2018 während des heiligen Monats Ramadan gesendet wurde und Millionen von Zuschauern im ganzen Land begeisterte. Die Sendung wurde regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem iranischen Justizsystem ausgestrahlt und widmete dem Thema Nachsicht und Vergebung mindestens eine Folge pro Staffel. Das ist kein Zufall, denn in den Monat Ramadan fällt die intensivste Zeit der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für Nachsicht. Dieser Monat, der am besten für das Fasten bekannt ist, ist auch die Zeit, in der die Muslime ihre körperlichen Bedürfnisse für eine tiefe spirituelle Erkundung zurückstellen und ihren Geist der Großzügigkeit und des Mitgefühls wieder aufleben lassen.

Im Juni 2018 wurde im Rahmen einer Spendenaktion von „Mah-e Asal“ der Gegenwert von 7 Millionen US-Dollar von iranischen Bürgern aufgebracht – ein Betrag, mit dem die Blutschulden von Hunderten von Gefangenen beglichen wurden. „Mah-e Asal“ diente als Inspiration für die Sendung „The Joy of Forgiveness“ in YALDA: vom gut gekleideten, charismatischen Moderator Omid (Arman Darvish) über die opulente, vergoldete Möblierung auf der Bühne bis hin zum eifrigen Live-Publikum, das aufgefordert wird, per SMS an der Show teilzunehmen.

Die Qisas–Wiedervergeltung

Nach dem iranischen Strafgesetzbuch (Iranian Penal Code – IPC) kann Mord mit Qisas bestraft werden. Damit ist gemeint, dass die Familie des Opfers eine Vergeltung als Todesurteil verlangen kann. Die Familienmitglieder können jedoch anstelle eines Todesurteils auch Blutgeld (Diya) verlangen oder einfach Vergebung gewähren. Qisas für Mord wird im islamischen Recht (Scharia) erwähnt. Da das Strafgesetzbuch auf der Scharia basiert, erwägen die iranischen Behörden, Qisas zu verbieten, als rote Linie die sie nicht überschreiten dürfen. Die iranischen Behörden behaupten, dass Qisas ein privates Recht ist, das die Behörden nicht leugnen oder kontrollieren können. Auf diese Weise legen sie die Verantwortung für das Todesurteil auf die Schultern der Familie des Mordopfers. 2019 waren mehr als 80% aller Hinrichtungen im Iran Qisas-Hinrichtungen.

In den letzten vier Jahren hat die Vergebungsbewegung erheblich zugenommen. Zivilgesellschaftliche Gruppen wie die Imam-Ali-Hilfsgesellschaft, LEGAM (Schritt für Schritt zur Abschaffung der Todesstrafe) und andere lokale und nationale Kampagnen haben sich aktiv für Vergebung anstelle der Todesstrafe eingesetzt. Künstler, Fernsehprominente und Menschenrechtsaktivisten haben die Bürger öffentlich dazu aufgerufen, das Leben der zum Tode Verurteilten zu schonen, und die Medien haben mitfühlend darüber berichtet. Diese Bewegung hat in den letzten Jahren zur Aufhebung der Todesurteile von Hunderten von Gefangenen geführt. Darüber hinaus hat die  Vergebungsbewegung wesentlich dazu beigetragen, die Abschaffung der Todesstrafe und die Debatte über die Todesstrafe als Strafe zu fördern.

Interview mit dem regisseur

ZEIT ONLINE: Fühlt man sich als iranischer Regisseur manchmal wie ein inoffizieller Botschafter seines Landes, der einem ausländischen Publikum die Geschichten und Gesichter zu den Schlagzeilen liefern muss, die aus der Heimat kommen?

Massoud Bakhshi: Ich bin nun einmal im Iran geboren, das konnte ich mir nicht aussuchen. Aber ich kann mir das Sujet meiner Filme aussuchen. Natürlich könnte ich auch einfach Komödien drehen, die sind im Iran sehr beliebt und man kann sehr gut Geld damit verdienen. Aber ich denke, das Mindeste, was ich machen kann, ist, Menschen eine Stimme zu geben, die in meinem Land ansonsten nicht gehört werden.

ZEIT ONLINE: In Yalda nutzen sie eine Fernsehshow, um einen Querschnitt der iranischen Gesellschaft zu zeigen. Sie verhandeln darin Themen wie das dem islamischen Recht innewohnende Prinzip der Vergeltung und des Blutgeldes, das Phänomen der Zeitehe sowie soziale Klassenunterschiede und patriarchale Strukturen. Da die Figuren und ihre Schicksale aus dem wirklichen Leben zu stammen scheinen, bekommt man eine Ahnung von deren von Repressionen geprägten Alltag. Wie ist Ihnen die Idee zu Yalda gekommen?

Bakhshi: Es gibt einige sehr gute Dokumentarfilme von Regisseurinnen, die sich mit der Situation in den iranischen Frauengefängnissen auseinandersetzen, in denen junge Mütter teilweise mit ihren Kindern leben. Es sind meistens Frauen aus sozial schwächeren Familien. Diese Filmemacherinnen haben ihre Protagonistinnen über einen längeren Zeitraum begleitet und man erfährt in diesen Filmen viel über häusliche Gewalt und patriarchale Repression. Ich habe weiter recherchiert und das Drehbuch immer wieder aktualisiert.

ZEIT ONLINE: Der Film ist kein klassisches Sozialdrama, sondern ein Kammerspiel in einem Fernsehstudio. Wo lag Ihr Fokus, auf dem satirischen Moment oder auf der menschlichen Tragödie?

Bakhshi: Natürlich wollte ich auch die Show, diese Art der Unterhaltung hinterfragen und die Rolle der Medien in unserer Welt vorführen. Ich wollte zeigen, wie sie Gefühle manipulieren, um die Vorurteile des Publikums zu befördern. Aber als ich mit den Schauspielern anfing, die Charaktere zu entwickeln, wurde mir bewusst, dass man deren Alltag und die Lebensumstände begreifen muss, dass die Figuren präzise und authentisch sein müssen. Je realer ihre Geschichte erscheint, desto mehr kann ich auch die Sensationslust dieser Show reflektieren.

ZEIT ONLINE: Die Show in Ihrem Film heißt Freude der Vergebung. Und in dieser Form existiert sie wirklich im iranischen Fernsehen?

Bakhshi: Ja, zwölf Jahre lang war sie eine der populärsten Shows im Iran. Merkwürdigerweise wurde die Sendung 2018 kurz vor der Fertigstellung meines Films eingestellt. Ich weiß nicht, ob es da einen Zusammenhang gibt. Jedenfalls bin ich froh, dass sie nicht mehr ausgestrahlt wird. Wir haben viele Elemente aus dieser Sendung übernommen. Tatsächlich gibt es anonyme Sponsoren, die das Blutgeld zahlen. Je mehr SMS eingehen, die für Vergebung stimmen, desto mehr Geld kommt zusammen. Bei der Teilnahme gibt es auch immer etwas zu gewinnen.

ZEIT ONLINE: Können Sie den Begriff des Blutgeldes kurz erklären?

Bakhshi: Das Gesetz der Vergeltung, diese Vorstellung von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, ist ein integraler Bestandteil des islamischen Rechts. Ist die Familie des Opfers bereit zu verzeihen, gibt es keine Hinrichtung. Je nach Straftat muss der Verurteilte eine Haftstrafe absitzen und ein Blutgeld an die Familie des Opfers zahlen. Für die Höhe dieser Summe gibt es genaue Vorgaben.

ZEIT ONLINE: In Ihrem Film ist es eine junge Frau, die um Gnade bittet. Da es sich um ein Kammerspiel handelt, ist die visuelle Ebene reduziert und konzentriert. Wie nimmt diese Figur dennoch reale Gestalt an?

Bakhshi: Ich komme vom Dokumentarfilm und ich habe meine Schauspielerinnen und Schauspielern aufgefordert, sich ein Vorbild im wirklichen Leben zu suchen. Sadaf Asgari, die Darstellerin der Maryam, verfolgte Gerichtsprozesse und besuchte verurteilte Frauen im Gefängnis. Sie hat die Geschichte ihrer Figur verinnerlicht, deshalb wirkt sie sehr authentisch. Auch haben wir versucht, ihren Zustand zu visualisieren. Sie sitzt auf der Bühne quasi wie in einem Gefängnis. Sie wird vom Scheinwerferlicht geblendet, sie kann das Publikum im Saal genauso wenig sehen wie die Menschen hinter den Kulissen und an der Technik. Sie wirkt sehr schutzlos. Da ich die Einheit von Zeit und Ort bewahren wollte, konnte ich nicht mit Rückblenden arbeiten. Doch in diesen Shows werden die Beteiligten und der Fall in einer kurzen, meist sehr reißerischen Reportage vorgestellt. Das habe ich übernommen und so konnte ich die Hintergründe und Fakten liefern, die das Publikum braucht.

Das komplette Interview finden Sie hier.

Besetzung

Figur
Sprecher
MaryamSadaf Asgari
MonaBehnaz Jafari
Die MutterFereshte Sadre Orafaiy
KeshavarzForough Ghajabagli
OmidArman Darvish

 

Stab

Regie & DrehbuchMassoud Bakhshi
ProduzentenJacques Bidou, Marianne Dumoulin, Nicole Gerhards, Joëlle Bertossa, Flavia Zanon, Bady Minck, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Georges Schoucair, Fred Premel, Ali Mosaffa
KameraJulian Atanassov
SchnittJacques Comets
VerleihLittle Dream Pictures
Internationaler TitelYALDA – A Night For Forgiveness
Kinostart27. August 2020
Gefördert vonFilmförderungsanstalt (FFA)
Medienboard Berlin-Brandenburg
nordmedia Fonds GmbH
Eurimages

 

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Termine

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Verfügbar auf

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